Stilkonformität oder Einreihung in die wie auch immer gearteten Realismus-Schwadrone waren nie Sache von Michael Schreiber.Schon als Student - etwa als Meisterschüler von Professor Wolfgang Petrick in Berlin, der wie Vogelsang, Grützke und Sorge zu den sogenannten kritischen Realisten gehörte, - war er bewusster Non-Konformist und passte sich keineswegs den damals in Gunst stehenden politisch-inhaltlichen Erwartungen an den Realismus an. Er widmete sich in penibler Beobachtung und akribischer Beschreibung den Gegenständen und der Dringlichkeit, schärfte seine Zeichnungskraft und kam damit der Beredsamkeit des Möbels, der Architektur und des Raumes auf die Spur. Nie glitt er ab in bedeutungslose Formalismen, nie verengte er sein Schaffen auf allzuwenige Themenbereiche, nie auch war er ein blosser Realist dekorativer Beliebigkeiten. Schreiber fühlte sich stets der Erfahrungswelt vom toten Stein bis zur lebendigen Architektur, von der Pflanze bis zur menschlichen Figur verpflichtet. Freilich bündeln sich Themen und Interessen-Gruppen, die sich zeitlich in gewissen Schüben von anderen absondern lassen; sie gehen aus zum Beispiel von Reisen, Theaterstudien, Menschen, von Erlebnissen oder auch von konsequenten Weiterentwicklungen.

Einen erkennbaren Schwerpunkt seines Schaffens bilden die sensiblen Auseinandersetzungen mit Architekturen und Räumen, die nicht unter den vielfältigen, auch für das Bild ergiebigen struktiven Gesichtspunkten alleine untersucht werden, sondern ihm vor allem Anlass und Hintergrund einer Befragung über den Menschen sind. Bauten, Häuser, Schuppen, ja Gebäude jedweder Art sind Orte des Menschen, seines Wohnens, Arbeitens, Feierns, Lebens und Strebens, sind somit stets so etwas wie Primärreliquien, geben Nachricht von dem, der sie erbaute, von dem, der in ihnen lebte, von der Zeit, in der sie entstanden, von den sozialen, wirtschaftlichen, geistigen Zusammenhängen. So stecken seine menschenleeren Architekturen voller Informationen über Zeit und Sein, über Geschichte und Gegenwart, über Pflege und Verwahrlosung, sind Spiegelbilder von sozialen Zuständen, von architektonischen Zeitströmungen, von Stadtteilen und Landschaften. Ausschnitt einer Rede von Prof. Dr .Zehnder anläßlich einer Ausstellungseröffnung


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